
Ein Abend voller Humor, Kritik und persönlicher Geschichten
(rr) Mit spitzer Zunge, viel Lokalkolorit und einer ordentlichen Portion Starkbier hat Fastenprediger Andreas Huber beim diesjährigen Starkbierfest kein gutes Haar an der Politik und am Stadtgeschehen gelassen. Schon der Einstieg in seine Fastenpredigt war Teil der Inszenierung: Huber witzelte, dass Brauereischefin Eva Wittmann ihn für „20 Euro und zwei Kästen Starkbier“ überredet habe, doch noch ans Rednerpult zu treten.
Ernste Zeiten und dennoch Grund zum Feiern
Die Zeiten seien ernst, das Sparen das Gebot der Stunde – insbesondere, da der Bierkonsum ein Rekordtief erreicht habe. Dennoch ließ sich die Gesellschaft das Feiern nicht nehmen: Anlass war das 333-jährige Jubiläum der Nordbräu.
Persönliche Episoden sorgen für Heiterkeit
Auch persönliche Geschichten fanden Eingang in das Programm. Eva Wittmann berichtete humorvoll von ihrem Oberschenkelhalsbruch. Das Schlimmste am Krankenhausaufenthalt sei jedoch nicht die Verletzung gewesen, sondern das „Wasser von der anderen Brauerei“, das „wie Seifenwasser“ geschmeckt habe.
Politische Zuspitzung und Würdigungen
Huber wurde politisch wie erwartet deutlich schärfer. Demokratie sei „nichts für Weicheier“, so Huber. Einige Stadträte würden im kommenden Jahr wohl nicht mehr vertreten sein. Besonders hob er Manfred Schumann hervor, der auf beeindruckende 54 Jahre im Stadtrat zurückblicken könne.
Seitenhiebe und Satire auf Stadträte
Der Fastenprediger verteilte großzügig Seitenhiebe. Oberbürgermeister Michael Kern brauche eher einen „Aggressionskurs statt eines Anti-Aggressionstrainings“. Angeboten würden „Meckern und Motzen für Einsteiger“ sowie „Stankern und Sticheln – der Expertenkurs“, geleitet von Mitgliedern der eigenen Partei.
Die Finanzlage der Stadt als wiederkehrendes Thema
Die angespannte Haushaltslage der Stadt wurde in einem eigens vorgetragenen Lied beklagt – kombiniert mit der Feststellung, dass offenbar dennoch „Geld für jeden Schmarrn“ vorhanden sei. So wurde ein Tropenhaus, der „MKKD-Zoo“, ins Spiel gebracht. Huber beschrieb zahlreiche Stadträte als Tiere, die zur Adoption stünden. Christian De Lapuente trat mit einer Würgeschlange im „Zoo Wasserstern“ auf, und Claudia Woderer übernahm augenzwinkernd die Patenschaft. Grottenolm Christian Lange lebe hingegen im Dunkeln und tauche nur zur Haushaltsdebatte wieder auf.
Städtebauliche Projekte und humorvolle Kritik
Auch städtebauliche Projekte blieben nicht verschont. Das Weinzierl-Gelände „renaturiere sich von selbst“. Für das Stadttheater schlug Huber vor, es „einzugraben und auf bessere Zeiten zu warten“. Der Donautower wiederum biete einen „Logenplatz“, um die Saunawelt der Donautherme zu erkunden.
Apell an den ehemaligen Oberbürgermeister
Huber richtete eine Nachricht an den früheren Oberbürgermeister Christian Scharpf: Dieser schulde der Stadt noch einen Gefallen. Sollte Olympia nach München kommen, müsse auch Ingolstadt profitieren. Hauptsponsor Audi habe schließlich bereits vier Ringe – „ein Praktikant im Brigk photoshoppt sicher schnell noch einen dazu“.
Verkehrssituation und weitere Pointen
Selbst die Verkehrssituation bekam ihr Fett weg: Ingolstadt liege im Ranking ganz vorne – beim zweitlängsten Stau auf der A9.
Reaktionen auf die Rede
Nicht jeder konnte über die Pointen lachen. Einer der anwesenden Pressevertreter habe es „gar nicht lustig“ gefunden, auch erwähnt zu werden.
Kritik und Abschluss
Die Rede, verfasst von Melanie Arzenberger, hätte nach Meinung mancher Gäste durchaus noch etwas mehr Schärfe vertragen. Für einen gelungenen Abschluss sorgte Eva Wittmann mit einem pointierten Schlusswort und harter Kritik.
Fazit: Tradition und Humor in schwierigen Zeiten
Am Ende blieb ein Abend, der zeigte: Auch in finanziell angespannten Zeiten hat das Derblecken in Ingolstadt Tradition – und ein Starkbier hilft, so manche bittere Pille humorvoller zu schlucken.
Fotos der Veranstaltung finden Sie hier in unserer Bildergalerie
Für weitere aktuelle Nachrichten rund um die Region folgen Sie uns doch auf Facebook und Instagram.