Notaufnahme Kösching vor dem Aus: Kliniken bündeln stationäre Versorgung in Eichstätt



Klinik-Wende im Landkreis: Kösching verliert stationäre Versorgung – Eichstätt wird ausgebaut


Geplante Klinik-Neuordnung: Kösching soll stationäre Notaufnahme verlieren

(rr) Die Kliniken im Naturpark Altmühltal treiben ihren Umbau der Gesundheitsversorgung im Landkreis Eichstätt weiter voran. Nach Angaben der KNA soll die stationäre Notaufnahme am Standort Kösching zum 1. August 2026 geschlossen werden. Die stationären Leistungen sollen künftig in Eichstätt gebündelt werden. Als Grund nennt die Klinikgruppe den weiter verschärften Personalmangel, der eine sichere stationäre Versorgung in Kösching nicht mehr dauerhaft zulasse.
Der Schritt markiert eine weitreichende Zäsur für die Krankenhauslandschaft in der Region. Zugleich soll Kösching nicht aufgegeben, sondern als moderner ambulanter Versorgungsstandort ausgebaut werden. Eichstätt soll dagegen zum zentralen Akutstandort für komplexere Eingriffe, stationäre Therapien und Notfälle weiterentwickelt werden.



Entscheidung fällt im Juli: Verwaltungsrat und Kreistag am Zug

KNA-Vorstand Marco Fürsich hat den Verwaltungsratsvorsitzenden und Landrat Alexander Anetsberger gebeten, die zuständigen Gremien mit den notwendigen Beschlüssen zu befassen. Der Verwaltungsrat soll am 13. Juli 2026 über das weitere Vorgehen entscheiden. Eine Sondersitzung des Kreistages ist für den 20. Juli vorgesehen, in der die Entscheidung final bestätigt werden soll.



Ambulantisierung als Zukunftsmodell: Versorgung soll neu gedacht werden

Fürsich erklärte, die Konzentration stationärer Leistungen und die zunehmende Ambulantisierung böten die Chance, Versorgung neu zu denken und langfristig tragfähig aufzustellen. Entscheidend sei dabei das enge Zusammenspiel aller Akteure im Gesundheitswesen, insbesondere mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.

Auch Joachim Christ, Ärztlicher Direktor der Klinik Eichstätt, rechnet den Angaben zufolge in den kommenden Jahren mit einer rasanten Ambulantisierung in der Medizin. Mit dem Gesundheitszentrum in Kösching könne eine hochwertige und zukunftsfähige Struktur angeboten werden, während Eichstätt für komplexere Eingriffe und stationäre Therapien weiter ausgebaut werde. Beide Standorte sollten zusammen eine umfassende Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises sicherstellen.



Eichstätt wächst: Mehr Betten, moderne Notaufnahme, neuer OP geplant

Der Standort Eichstätt soll medizinisch und baulich konsequent weiterentwickelt werden. Die Bettenkapazität steigt von 162 auf künftig 172 Betten. Bereits vorhanden sind eine moderne Notaufnahme mit Chest Pain Unit, eine Kurzliegerstation, neue OP-Bereiche sowie eine modernisierte Intensivstation.

Zum Ende des ersten Quartals sind außerdem die elektive Station sowie die Intensiv- und Palliativstation in den neu errichteten Nordflügel umgezogen. Der zweite Bauabschnitt soll voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen werden. Dann soll unter anderem auch das neue Herzkatheterlabor in den Nordflügel verlegt werden.

Die steigende Zahl der Behandlungsfälle und die hohe Nachfrage nach operativen Eingriffen untermauern laut KNA den Kurs. Der Bau eines vierten Operationssaals wurde bereits genehmigt. Prof. Dr. Gregor Voggenreiter, Chefarzt des Orthopädisch-Traumatologischen Zentrums, betonte, die Investitionen in medizinische Strukturen schafften die Voraussetzungen, um Patientinnen und Patienten auch künftig auf hohem Niveau zu versorgen. Die moderne Infrastruktur eröffne die Möglichkeit, das Leistungsspektrum entsprechend den Anforderungen der Krankenhausreform weiterzuentwickeln.



Was passiert im Notfall? Versorgung soll weiter gesichert bleiben

Für die Bevölkerung soll die Notfallversorgung nach Darstellung der KNA zuverlässig gewährleistet bleiben. Die Notaufnahme in Eichstätt entwickle sich positiv und biete vergleichsweise kurze Wartezeiten. Zugleich hat die Notfallambulanz im Gesundheitszentrum Kösching ihre Öffnungszeiten montags bis freitags von 8 bis 21 Uhr ausgeweitet. Für Wochenenden und Feiertage sind stundenweise Öffnungszeiten vorgesehen, die möglichst zeitnah umgesetzt werden sollen.

Patientinnen und Patienten können in Kösching sowohl mit als auch ohne Termin vorstellig werden. Rettungswache und Notarztstandort in Kösching bleiben unverändert bestehen. Schwere Notfälle werden bereits heute überwiegend in spezialisierte Akutkliniken der Region gebracht, darunter die Klinik Eichstätt. Die Stadt Ingolstadt sowie der Aufsichtsrat des Klinikums Ingolstadt wurden über die geplante Schließung der Notaufnahme Kösching informiert.



Kösching bleibt im Spiel: Gesundheitszentrum soll weiter wachsen

Parallel zur Verlagerung der stationären Leistungen soll das Gesundheitszentrum Kösching kontinuierlich weiterentwickelt werden. In den vergangenen Monaten wurde das Angebot um eine urologische Facharztpraxis, ein ambulantes Diabetes- und Fußzentrum mit Schwerpunkt Wundheilung, eine Kurzzeitpflege sowie ein ambulantes Operationszentrum erweitert.
Bereits heute werden dort rund 2.500 ambulante Eingriffe pro Jahr durchgeführt, mit steigender Tendenz. Die KNA setzt dabei auf kurze Wege, koordinierte Abläufe und die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche unter einem Dach.



Beschäftigte erhalten Garantie: Perspektiven sollen individuell geklärt werden

Für die Mitarbeitenden der KNA in der Notaufnahme Kösching gilt die bestehende Beschäftigungsgarantie nach dem Rationalisierungsschutztarifvertrag. In persönlichen Gesprächen sollen individuelle Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Kliniken erarbeitet werden.



Meinung der Redaktion

Die geplante Bündelung stationärer Leistungen in Eichstätt ist mehr als eine organisatorische Änderung. Sie steht für einen grundlegenden Wandel in der regionalen Gesundheitsversorgung: weg von parallelen stationären Strukturen, hin zu einem stärkeren Akutstandort und einem wachsenden ambulanten Zentrum. Für Patienten, Beschäftigte und Kommunalpolitik dürfte die Entscheidung im Juli deshalb zu einem der wichtigsten Gesundheitsthemen des Jahres in der Region werden.



 
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